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heute ist der 11.12.2018  letzte Änderung am 07.12.2018 

Aktuelles

Zunehmendes Penicillin-Versagen bei Streptokokken-Angina

WASHINGTON. Bei jedem vierten Kind (25 Prozent) mit Streptokokken-Angina versagen Penicilline. Fast jedes fünfte Kind (18 Prozent) bleibt nach einer Behandlung mit Amoxicillin symptomatisch. Angesichts dieser Zahlen fordern US-Experten die Abkehr von Penicillinen als Mittel der ersten Wahl.

Bereits im letzten Jahr hatten Michael Pichichero und Janet Casey von der Universität von Rochester im US-Staat New York in Pediatrics (2004; 113; 866-882) ernüchternde Zahlen vorgelegt. Ihre Meta-Analyse basierte auf 35 Studien (26 aus den USA) mit 7 125 Patienten und dokumentierte eine zunehmende Rate von Therapieversagern in der Behandlung der Tonsillopharyngitis bei Verdacht auf Streptokokken-Infekt. Für die Annual Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy in Washington, eine der weltweit wichtigsten infektiologischen Fachtagungen, haben die beiden Mediziner ihre Zahlen auf der Basis von 11 426 Patienten (47 Studien aus 35 Jahren) aktualisiert.

Die Ergebnisse werden jene 60 bis 80 Prozent der Ärzte überraschen, die ganz selbstverständlich Amoxicillin als Mittel der ersten Wahl einsetzen, während das traditionelle Penicillin noch von zehn bis 20 Prozent der Ärzte bevorzugt wird. Nur etwa zehn bis 20 Prozent der Patienten erhalten heute bereits ein Cephalosporin, das wesentlich teurer ist als Penicilline. Doch die Rate der erneuten Arztbesuche liegt nach den Erkenntnissen der US-Experten bei den traditionellen Cephalosporinen bei 14 Prozent und bei den neueren Substanzen sogar nur bei sieben Prozent und damit niedriger als bei Amoxicillin und Penicillin.

Dies rechtfertige den Wechsel auf ein Cephalosporin, so die Experten, wobei aus Kostengründen auch ein Cephalosporin der älteren Generation verwendet werden könnte. Bei den neueren Cephalosporinen könnten die Kosten gesenkt werden, weil sie statt zehn Tagen (wie die Penicilline) nur über vier bis fünf Tage gegeben werden müssten. Die kürzere Therapie würde auch die Adhärenz der Patienten fördern. Der vorzeitige Abbruch der Therapie gilt als wichtiger Grund für das Therapieversagen.

Als weiteren Grund nennen die US-Experten die Verbreitung von beta-Laktamase produzierenden Co-Pathogenen, die Penicillin, nicht aber die Cephalosporine inaktivieren. Zudem würden Penicilline im Rachen die alpha-Streptokokken eradizieren, die Konkurrenten der pathogenen Gruppe A-hämolysierenden Streptokokken (GABH) sind, was nach allgemeiner Ansicht die Ausbreitung der GABH fördert. Schließlich zeichneten sich die Cephalosporine durch eine bessere Pharmakokinetik und Pharmakodynamik aus. Es würden höhere Wirkstoffspiegel in den Tonsillen und im Pharynx erreicht.

Ob Pichichero und Casey ihre Kollegen überzeugen können, bleibt abzuwarten. Die heute geltenden Leitlinien der WHO, der amerikanischen und der deutschen Fachgesellschaften betrachten Penicilline eindeutig als Mittel der ersten Wahl, zuletzt in der WHO-Technical Report Series aus dem Jahr 2004, die allerdings auch den Cephalosporinen der ersten Generation (10-Tage-Regime) einen Stellenwert einräumt. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie aus dem Jahr 1988 benennt bereits die gleichen Probleme, die die US-Infektiologen jetzt ansprechen, so die mangelnde Compliance, Beta-Laktamase bildende Begleitflora und die ungenügende Penetration des Penicillins ins Tonsillengewebe oder eine zu niedrige Dosierung./rme


Links zum Thema

Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom 19. Dezember 2005 

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