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heute ist der 11.12.2018  letzte Änderung am 07.12.2018 

Aktuelles

Erhöhte Virulenz von Clostridium difficile - Resistenzen gegen Fluorochinolone

ATLANTA. In den USA und möglicherweise auch in Europa breitet sich ein neuer Stamm von Clostridium difficile aus, der gegen Fluorochinolone resistent ist und aufgrund einer vermehrten Toxinbildung besonders virulent ist. Die Folge ist eine erhöhte Komplikationsrate nosokomialer Darminfektionen. Aber auch Personen ohne besondere Risiken sind gefährdet.

Etwa drei Prozent aller Gesunden und 20 bis 40 Prozent der Krankenhauspatienten sind mit Clostridium difficile kolonisiert. Das Bakterium besiedelt den Darm, wo es in der Regel in der inaktiven Sporenform vorliegt, also keine unmittelbare Gefahr darstellt. Sie Situation kann sich schlagartig ändern, wenn ein Patient aus anderen Gründen Antibiotika erhält. Dann kommt es in der Regel zu einer Störung der Darmflora, die eine Vermehrung von C. difficile zur Folge haben kann. Seine Toxine A und B schädigen dann die Darmschleimhaut, und es kommt zur pseudomembranösen Colitis, die mit Durchfällen und abdominalen Krämpfen einhergeht. Wie John Bartlett und Trish Perl von der Johns Hopkins Universität in Baltimore in einem Editorial im New England Journal of Medicine (NEJM 2005; 353,- 2503-2506; Ausgabe vom 8. Dezember) berichten, war in den 70er-Jahren Clindamycin der wichtigste Auslöser einer pseudomembranösen Colitis, ihm folgen in den 80er-Jahren die Cephalosporine. Mittlerweile scheinen Fluorochinolone die meisten Fälle anzustoßen.

Gleichzeitig gibt es Hinweise, dass die Pathogenität von Clostridium difficile gestiegen ist. Die Komplikationsrate stieg um den Faktor 4, und vor allem Patienten über 65 Jahre, die mit Fluorochinolen behandelt wurden, sind nach Auskunft von Bartlett und Perl gefährdet.

Die Ursache für die erhöhte Virulenz des Erregers hat jetzt eine Arbeitsgruppe der Centers of Control and Prevention (CDC) in Atlanta herausgefunden. Clifford McDonald und Mitarbeiter untersuchten 187 Isolate von Patienten, die während kleiner Epidemien an Kliniken in mehreren US-Kliniken erkrankt waren (NEJM 2005; 353: 2433-41) Viele dieser Patienten waren mit dem Stamm B1/NAP1 infiziert, der nicht nur die Toxine A und B, sondern häufig auch das binäre Toxin CDT enthält. Es ähnelt in Struktur und Funktion dem Iota-Toxin von C. perfringens und dürfte deshalb die Virulenz erhöhen. McDonald und Mitarbeiter führen die vermehrte Bildung von CDT auf eine Deletion im Gen tcdC zurück, das ein negativer Regulator für die Produktion der Toxine A und B ist. Auch die vermehrte Produktion der Toxine A und B würde mit erhöhter Virulenz von C. difficile einhergehen, wie eine weitere Publikation der Gruppe zeigt, in der Isolate aus Großbritannien untersucht wurden (Lancet 2005; 366; 1079-84).

Was auch immer die molekularbiologische Ursache ist. Es scheint kein Zweifel daran zu bestehen, dass die Komplikationsrate von C. difficile-Infektionen steigt. Nach einer prospektiven Studie von Vivien Loo von der Universität Montreal (NEJM 2005; 353: 2442-9) beträgt die Inzidenz in Quebec mittlerweile 22,5 auf 1000 Klinikeinweisungen. Die Sterblichkeit der Infektion wird mit 6,9 Prozent angegeben. Besonders gefährdet waren ältere Patienten. Die Inzidenz bei über 90-Jährigen betrug 74,4 auf 1000 Klinikeinweisungen. Die Sterblichkeit lag in dieser Gruppe bei 14 Prozent. Die Untersuchung der Isolate ergab, dass die meisten Bakterien gegen Fluorochinolone resistent waren und dass in 84 Prozent der Fälle die tcdC-Deletion vorlag und das binäre Toxin gebildet wurde.

Besonders besorgniserregend ist, dass die Erreger auch außerhalb von Kliniken auftreten und selbst bei Menschen mit geringem Risiko schwere Erkrankungen auslösen können, über die E. Chernak vom Gesundheitsamt Philadelphia im Morbidity and Mortality Weekly Report (2005; 54: 1201-1205) berichtet. Von den 33 Patienten hatten acht in den letzten drei Monaten keine Antibiotika eingenommen, sieben hatten sich vermutlich bei Kontaktpersonen mit Durchfallerkrankungen angesteckt. Die CDC forderte die Ärzte deshalb auf, bei Durchfallerkrankungen auch an die Möglichkeit einer CDAD (Clostridium difficile–associated disease) zu denken./rme

Links zum Thema

Die Studie McDonald et al. im New England Journal of Medicine (PDF-Datei)

Die Studie Loo et al. im New England Journal of Medicine (PDF-Datei)

Editoiral im New England Journal of Medicine (PDF-Datei)

Abstract der Studie im Lancet (nach kostenloser Registrierung)

Abstract in MMWR

 

Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom 2. Dezember 2005

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